Sexualtherapie und Sexualberatung

Hier stellen wir Ihnen Informationen zum Thema Selbsthilfe und Sexualtherapie für Frauen, Männer und Paare zu Verfügung. 

Welche Hilfe brauche ich?

 

Für die Bewältigung sexueller Probleme können je nach deren Intensität, deren verursachtem Leid und den aufrechterhaltenden Bedingungen unterschiedliche Hilfen sinnvoll sein. Nicht in jedem Fall ist eine umfassende sexualtherapeutische Behandlung notwendig, um ein sexuelles Problem in den Griff zu bekommen. Es können vier Stufen von Maßnahmen zur Veränderung vorgeschlagen werden:

 

Erlaubnis geben: Manches sexuelle Problem wird erst dadurch zum Problem, dass es dem Betroffenen schwer fällt, eine sexuelle Vorliebe oder spezifische Eigenarten zu akzeptieren. In der Sexualität ist erlaubt, was Spaß macht und Befriedigung schafft, wenn man es nicht gegen den Willen des Partners bzw. der Partnerin tut oder andere schädigt. Es ist z. B.  normal und darf passieren, während des Sex Fantasien zu haben, in das sexuelle Spiel Dinge (Stiefel oder sog. Sex Toys, also Hilfsmittel wie Dildos oder Vibratoren) einzubeziehen, die erregen, während der sexuellen Begegnung die Erektion oder die Lust zu verlieren, als Heterosexuelle(r) homosexuelle Gedanken und umgekehrt, Gefühle und Wünsche zu verspüren, auch mal über längere Zeit keine Lust auf Sex zu haben, sich voreinander selbst zu befriedigen, auch im Alter noch Lust auf Sex zu haben und diese auch auszuleben, und vieles, vieles mehr. Statt sich zu fragen, ob mit einem etwas nicht stimmt, sollte man Vorlieben genießen!

 

Informationen erweitern: Manchmal hilft es schon, sich über bestimmte Zusammenhänge zu informieren. Wenn ein Mann sich für einen schlechten Liebhaber hält, weil seine Partnerin nur durch das Stoßen mit dem Penis beim Koitus keinen Orgasmus bekommt, ist es für ihn vielleicht hilfreich und entlastend zu wissen, dass viele Frauen durch diese Art von Stimulation gar nicht zum Orgasmus kommen können, sondern die Stimulation mit der Hand notwendig brauchen. Wenn beim Analverkehr Schmerzen auftreten, ist es sinnvoll, sich über die spezielle Praktik des Analverkehrs zu informieren.

 

Spezifische Ratschläge und Übungen: Bei Problemen, die sich noch nicht verfestigt haben, können spezifische Ratschläge und Übungen in Bezug auf Veränderungen des Verhaltens, der Gedanken, der Einstellungen, der Gefühle oder auch des Umgangs mit dem eigenen Körper manchmal zur Problembewältigung hilfreich sein. Diese finden sich teilweise auch in der Selbsthilfeliteratur, meist ist jedoch fachliche Hilfe durch Sexualberatung sinnvoll. Manchmal kann durch Sexualberatung durch Fachpersonen oder in Sexualberatungsstellen und Ehe- und Lebensberatungsstellen oft in wenigen Gesprächen gute Fortschritte erreicht werden.

 

Sexualtherapie und Psychotherapie: Ist die sexuelle Störung durch Selbstverstärkungsmechanismen sehr stabil, ist tief in der Psyche und den Lebenszusammenhängen eines Mannes, einer Frau oder eines Paares verwurzelt, ist eine  Sexualtherapie notwendig. Dabei wird versucht, das sexuelle Problem unter Berücksichtigung verschiedenster Aspekte zu erkennen, zu verstehen und in seinen aufrechterhaltenden Bedingungen zu identifizieren. Die verschiedenen aufrechterhaltenden Bedingungen der sexuellen Probleme werden zum Ansatzpunkt in der Behandlung, und durch die Nutzung verschiedener therapeutischer Methoden wird sich die sexuelle Problematik bessern. Liegt der sexuellen Störung eine tiefergehende psychische Problematik oder Störung der Persönlichkeit zu Grunde, werden weitergehende psychotherapeutische Verfahren zum Einsatz kommen.    

 

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Was ist Sexualberatung?

Bei Problemen, die sich noch nicht verfestigt haben, können spezifische Ratschläge und Übungen in Bezug auf Veränderungen des Verhaltens, der Gedanken, der Einstellungen, der Gefühle oder auch des Umgangs mit dem eigenen Körper manchmal zur Problembewältigung hilfreich sein. Auch Psychoedukation fällt in den Bereich Sexualberatung, das heißt, dass PatientInnen spezifisches Wissen über ihr Problem vermittelt wird.

 

Häufig findet man diese Hilfe auch in Selbsthilfeliteratur, meist ist jedoch fachliche Hilfe durch Sexualberatung sinnvoll. Manchmal kann durch Sexualberatung durch Fachpersonen oder in Sexualberatungsstellen und Ehe- und Lebensberatungsstellen oft in wenigen Gesprächen gute Fortschritte erreicht werden.

In der Sexualberatung findet im Gegensatz zur Sexualtherapie keine tiefgehende Auseinandersetzung mit einem persönlichen Problem statt, zumal das Problem dies auch nicht erfordert. 

Alle im Netzwerk gelisteten Fachpersonen bieten auch Sexualberatung an, die meist nur wenige Gespräche benötigt.

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Sexualtherapie

Die Wirksamkeit von Psychotherapie – und das gilt auch für die Sexualtherapie als Form  psychotherapeutischer Behandlung –  hängt ab vom therapeutischen Verfahren und von der Güte der therapeutischen Beziehung. Eine gute therapeutische Beziehung, das Verstehen der Probleme und der therapeutischen Schritte sind für Patientinnen und Patienten wichtig, um sich öffnen und anvertrauen zu können, Veränderungen zu durchleben und die notwendige Kraft dafür aufzubringen.

Die Behandlung sexueller Probleme sind Dienstleistung und professionelle Hilfestellungen. Patientinnen und Patienten haben ein Anrecht auf eine seriöse Psychotherapie ohne Experimente und mit optimaler Erfolgsaussicht zur Behebung ihrer sexuellen Störungen und des damit verbundenen Leidens.  

Oft kombinieren Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verschiedene Therapieverfahren, was gerade in der Sexualtherapie sehr effektiv ist. Diese Verfahren sind beispielsweise: Verhaltenstherapie, Systemische Therapie, Tiefenpsychologie. Eine Grundausbildung in einem seriösen Therapieverfahren sollten alle Behandlerinnen und Behandler vorweisen können. Da die therapeutische Beziehung ebenso wichtig ist wie die Methode, sollte man sich beim ersten Kontakt oder nach den ersten Kontakten vergewissern,

  • dass man sich verstanden und mit seinen Problemen ernst genommen fühlt,

  • ob der Therapeut/die Therapeutin die vereinbarte Gesprächsdauer störungsfrei einhält (wobei Ausnahmen sicherlich einmal, aber nicht regelmäßig möglich sind),

  • dass man sich nicht zur Behandlung oder zu einem speziellen Vorgehen gedrängt fühlt, sondern in die Planung der therapeutischen Schritte einbezogen wird und das Vorgehen als transparent und durchschaubar erlebt

  • dass der Therapeut/die Therapeutin auf Fragen zur Therapieform und der Behandlung, zum Vorgehen, zur Wirkung, zur eventuellen Dauer der Behandlung und zur Bezahlung offen und umfassend geantwortet hat.

Sexualtherapie ist hilfreich, allerdings sollten die Erwartungen an Veränderungen nicht unrealistisch hoch sein. Wichtig sind immer eine gute Zusammenarbeit zwischen Patient und Behandlerin/Behandler.

 

Sind die Ursache der sexuellen Probleme, der Versagungsangst, der Schmerzen, der Lustlosigkeit, der gestörten Sexualfunktion usw. nicht durch Eigenhilfe zu bewältigen oder können Frau oder Mann, Partnerin und Partner keine eigene Lösung finden, sollte die Inanspruchnahme einer Sexualberatung, einer Paar- oder einer Einzeltherapie ernsthaft und ohne Hemmungen in Betracht gezogen werden, da die Sexualtherapie sehr wirkungsvolle und unterstützende Methoden zur Problembewältigung bereitstellt.

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Wer kann Sexualtherapie anbieten?

Falls von sexuellen Problemen betroffene Männer, Frauen oder Paare sich entschließen, eine sexualtherapeutische Behandlung (Sexualtherapie) durchzuführen, sollte bei der Wahl von Sexualtherapeutin und Sexualtherapeut auf eine entsprechende Qualifikation geachtet werden. Zu einer solchen Qualifikation gehören in Österreich eine Ausbildung in einem Quellberuf wie Klinische Psychologie, Psychotherapie, Pädagogik, Psychiatrie und Medizin UND eine seriöse Weiterbildung in Sexualtherapie. Die Therapeutinnen und Therapeuten auf unserer Liste verfügen alle über diese Qualifikationen.

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Wie läuft eine Sexualtherapie ab?

Das sexualtherapeutische Vorgehen kann unterschiedlich sein. Häufig gliedert es sich in mehrere nachvollziehbare Schritte:

Zunächst erfolgt durch die Exploration (das diagnostische Gespräch) die Problembeschreibung: Wie heißt das Problem und wie äußert es sich? Hier können auch Fragebögen und Testverfahren zum Einsatz kommen. 

In der Problemanalyse wird erarbeitet, welches die aufrechterhaltenden Gründe für die Existenz des Problems sind.

In der anschließenden Analyse des zu erreichenden Therapie- oder Beratungszieles wird gemeinsam geklärt, was mit der Behandlung erreicht werden kann und soll.

Dann werden die Interventionen geplant, die für die Erreichung des Behandlungszieles sinnvoll einzusetzen sind: Welche Methoden und Übungen werden ausgewählt?

Es folgt die Umsetzung und Nachbesprechung der geplanten Therapieschritte und –methoden.

 

 

In der Sexualtherapie mit Frauen oder Männern werden je nach Art der Störung Ängste, negative Gefühle und Befürchtungen, insbesondere in Bezug auf frühere unangenehme Erfahrungen, bearbeitet. Eine zu starke Konzentration der Aufmerksamkeit auf Koitus oder Orgasmus wird hinterfragt und die Entwicklung positiven Erlebens in Bezug auf den eigenen Körper, die eigene Lust und das Genießen unterstützt. Spezielle Verhaltensweisen für den Aufbau und die Stärkung einer eigenen und einer partnerschaftlichen Sexualität werden gefördert. Belastende Gefühle wie Schuld, Scham, Ekel, Aversion, Angst haben ebenfalls ihre Bedeutung für die sexuelle Problematik und werden in die therapeutische Arbeit einbezogen. Gerade bei der Bewältigung negativer Gefühle wie auch bei der Entwicklung eines positiven Erlebens um den eigenen Körper und die eigene Sexualität werden der Frau, dem Mann oder dem Paar körpertherapeutische Übungen vorgeschlagen, die als „Hausaufgabe“ in einer ruhigen Zeit zwischen den Therapiesitzungen durchgeführt und in der jeweils nachfolgenden Therapiesitzung besprochen und bearbeitet werden.

Insgesamt gesehen setzt die Sexualtherapie an den problematischen Bedingungen, die die sexuelle Störung aufrechterhalten, an: am Verhalten, den Gedanken, den Einstellungen, den Gefühlen, der Körperbewertung, den inneren Konflikten, der Partnerschaft, der Lebenswelt und organischen Problemen. 

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Welche Ziele hat Sexualtherapie?

Anders beschrieben können konkrete Ziele der Sexualtherapie sein:

  • die Bewältigung negativer Emotionen, wie z.B. aversive Gefühle wie Angst oder Ekel, Befürchtung vor Versagen, Schuldgefühle usw.

  • die Erweiterung des Verhaltensrepertoires, wie z.B. Erlernen oder Wiederfinden von Zärtlichkeitsverhalten, Konfliktfähigkeit, Äußern von Wünschen und Bedürfnissen, Reflexion des eigenen Verhaltens in einer partnerschaftlichen Sexualität

  • die Förderung sexueller Lust

  • Wissenserweiterung, Veränderung von Kognitionen und Einstellungen, wie z.B. Behebungen von Informationslücken über sexuelle Abläufe beim Mann und bei der Frau, Wissen um sexuelle Reaktionen, Funktionen, Stellungen usw., Entzaubern und Verändern von Mythen, Arbeiten an Normen und Schuldgefühlen, Veränderung der Aufmerksamkeitslenkung in der sexuellen Situation

  • die Entwicklung positiven Erlebens, z.B. durch körperliche Selbstakzeptanz, Körperwahrnehmung, Zulassen von Lust und Luststeigerung, genussvolle Erfahrung durch das Zulassen und Erleben sexueller Fantasien mit Entspannung

  • die Förderung und Stärkung der sozialen Kompetenz, wie z.B. konstruktive und offene Kommunikation, Wünsche und Bedürfnisse äußern, NEIN sagen können.

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Ist eine Einzel- oder Paartherapie sinnvoll?

Ob eine Sexualtherapie im Einzel- oder Paarsetting stattfindet, hängt neben der Frage, ob der/die Betroffene gerade eine Beziehung führt, von der individuellen Problemstellung und von der Bereitschaft der Partnerin/des Partners ab, sich auf eine gemeinsamen Prozess einzulassen. 

Von einer Einzelsexualtherapie können Frauen und Männer profitieren, unabhängig davon, ob sie Single sind oder in einer Partnerschaft leben. Die Therapie ermöglicht Angstabbau, Kennenlernen der eigenen Körperreaktionen (durch körperorientierte Übungen, die zu Hause umgesetzt werden), Methoden, die an den Gedanken und Einstellungen ansetzen, Arbeit mit Fantasien und Vorstellungen, Stärkung der sozialen Kompetenz, Genusstraining, Gefühls- und Erlebensaktivierung.

Sexualtherapeutische und psychotherapeutische Verfahren und Methoden können insbesondere in der Einzeltherapie beim Erreichen dieser Ziele hilfreich sein:

Verfahren zum Angstabbau, körperorientierte Verfahren, Verfahren die an den Gedanken und Einstellungen ansetzen, Arbeit mit Fantasien und Vorstellungen, Verfahren zur Stärkung der sozialen Kompetenz, Genusstraining, Verfahren und Übungen zur Gefühls- und  Erlebensaktivierung, Einsatz themenbezogener Medien. 

Je nach Art der sexuellen Probleme und Ausprägungen, ob beim Mann oder bei der Frau, gibt es eine Reihe zusätzlicher Übungen und Verfahren, die ergänzend auf die Bewältigung der jeweiligen Problematik bzw. Funktionsstörung ausgerichtet sind. Diese können sich z.B. beziehen auf Vaginismus, Schmerzen oder Orgasmusprobleme der Frau, frühzeitige Ejakulation oder Orgasmusdefizite beim Mann, Lustprobleme bei der Frau oder beim Mann. Für einige der genannten Übungen ist die Unterstützung durch die Partnerin oder den Partner sinnvoll und notwendig, andere Übungen sind dem einzeltherapeutischen Vorgehen zuzurechnen.

 

In einer Paarsexualtherapie haben beide Partner darüber hinaus die Möglichkeit, Ängste in Bezug auf die gemeinsame Sexualität zu bewältigen, die Kommunikation zu verändern und in kleinen Schritten zunehmend neue, angenehme und wieder lustvolle Erfahrungen mit der gemeinsamen oder der eigenen Sexualität zu machen. Körperliche Erkundungen, sinnliche Erfahrungen, ein Wechselspiel zwischen Erregung und Entspannung können helfen, körperliche Berührungen und sexuelle Erfahrungen ohne Angst und aversive Gefühle zu erleben. Versagensängste können aufgegeben, eigene positive Gefühle und Körperempfindungen wieder zugelassen und als angenehm erlebt werden.

Die Unterscheidung zum einzeltherapeutischen Vorgehen liegt in den Partnerübungen, die zur direkten Behandlung der sexuellen Störungen in den Therapiesitzungen besprochen, vorbereitet und nachbereitet und von dem Patientenpaar zu Hause gemeinsam durchgeführt werden. Dabei lernen die Partnerinnen und Partner schrittweise Ängste in der sexuellen Interaktion abzubauen und neue positive sexuelle und partnerschaftliche Erfahrungen zu machen. Dieses erlebnisorientierte Vorgehen hilft, das Verhaltensrepertoire zu erweitern und problemfördernde Kognitionen zu erkennen und zu korrigieren. Die verschiedenen aufeinander aufbauenden Schritte werden in der Therapiesitzung besprochen, zu Hause durchgeführt und in der nächsten Sitzung nachbesprochen. Viel Zeit wird auf die Klärung und Bearbeitung von Schwierigkeiten verwandt, die während der Übungen zu Hause auftreten, und so können meist partnerschaftlichen Schwierigkeiten  herausgefunden und der therapeutischen Arbeit zugänglich gemacht.

 

Abschließend ist festzustellen, dass Sexualberatung und Sexualtherapie sehr hilfreich sind bei der Bewältigung unterschiedlicher sexueller Probleme. Allerdings kann es auch gerade in Partnerschaften sein, dass eine befriedigende Sexualität aus unterschiedlichen Gründen nicht (wieder) Einzug in die Partnerschaft halten wird. Dann müssen sich Partner und Partnerin überlegen, wie sie ihre Beziehung ohne Sexualität für beide zufriedenstellend gestalten können. Möglicherweise stellt sich jedoch die Frage, ob sie ihre Beziehung weiterführen möchten. Auch dazu kann die therapeutische Arbeit Unterstützung bieten.

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